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Von den Affen kennen wir das: das Affenjunge hängt vor dem Bauch der Mutter, die unbeschwingt von Ast zu Ast hüpft. Auch für Völker, die die noch auf einer so genannten primitiven Kulturstufe leben, ist es selbstverständlich, den Säugling vor der Brust, am Rücken oder an der Hüfte herumzutragen. Ein "zivilisiertes" Menschenkind dagegen wird meist ganz anders behandelt. Es gelangt aus der Wärme und Dämmerung, aus der festen Umarmung der Gebärmutter in Helligkeit, Luft und Freiheit. Nachdem man es gestillt und gewickelt hat, wird es in sein Bettchen gelegt, das groß genug ist, um das Kind nirgendwo einzuengen. Wenn das Kind nun schreit, wird es hoch genommen und an den Körper der Mutter gedrückt, das kleine Gesichtchen an Schulter oder Brust gelehnt. Das Kind hört auf zu weinen. Viele kennen das Phänomen, dass das Baby wieder anfängt zu weinen, wenn es wieder in sein Bettchen gelegt wird, manchmal sogar, wenn es eingeschlafen ist. Es ist der natürliche Wunsch nach fester Umarmung, nach dem Gefühl, umschlossen zu werden. Der Psychologe Renngli ist der Auffassung, dass der Menschensäugling ebenso wie das kleine Äffchen ein Tragling ist, dieselben Reflexe hat und den fast unersättlichen Hunger nach Hautkontakt. Er ist dazu geschaffen, ständig an den Körper eines Erwachsenen gedrückt zu werden und alles mitzubekommen, was so passiert.
Es gibt Stimmen, die meinen, man könne auf diese Weise das Baby möglicherweise verwöhnen oder eine zu starke Bindung aufbauen. Dem ist nicht so. Dem Baby wird nicht geschadet, wenn es viel am Körper der Mutter oder des Vaters herumgetragen und mitgenommen wird, weder durch "Verwöhnen", noch durch "Unruhe". Und auch der Einwand, das Kind könne sich möglicherweise später nicht lösen, ist unbegründet. Im Gegenteil, im ersten halben Lebensjahr kann der Säugling gar nicht genug Körperkontakt haben, Je mehr er jetzt erhält, desto weniger wird er später fordern. Eine geglückte Lösung setzt voraus, dass die Bindung befriedigend war.
"Ich denke, also bin ich" kann sich ein Neugeborenes noch nicht sagen. Für den Säugling gilt einzig "Ich fühle, also bin ich". Nur wenn es berührt wird, spürt es seinen eigenen Körper, und je mehr, je fester und umfassender das geschieht, umso beruhigender ist es.
Natürlich ist es nicht immer möglich, das Neugeborene ständig umher zu tragen, denn gerade nach der Geburt kann man geschwächt sein und auch der Rücken kann schnell einmal schmerzen. Dennoch sollten Sie wissen, wie stark das Bedürfnis nach Berührung, Umarmung und Festhalten in einem Baby ist und sie sollten versuchen, es nach Möglichkeit zu befriedigen. Hier einige Tipps dazu:
Schlafen Das kleine Neugeborene sollte noch nicht in sein Kinderbett gelegt werden, in dem es sich verloren fühlen wird. Ein solider Wäschekorb, mit Decken oder ähnlichem gepolstert, ist viel sinnvoller, denn es erinnert das Baby von allen Seiten daran, dass es existiert und wo seine Arme und Beine sind. Aber auch eine Wiege ist für die erste Zeit sinnvoll, sie erinnert mit den rhythmischen Bewegungen an die zeit im Mutterleib. Wenn die Wiege noch viel Freiraum bietet, stopfen sie ruhig ein zusammengerolltes Kopfkissen oder Handtuch dazu, um Geborgenheit zu geben. Natürlich kann das Neugeborene auch mit in Ihrem Bett schlafen, Dicht an ihrem Körper, wird es sich sehr wohl fühlen.
Tagesschläfchen Legen Sie Ihr Baby zum "Zwischendurchschlafen", z.B. nach dem Stillen, nicht in sei Bettchen oder Körbchen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Lassen sie es lieber Bauch an Bauch auf Ihrem Körper schlafen und lesen selbst zum Beispiel ein Buch dabei. Oder sie legen sich gemeinsam dicht an dicht gekuschelt in Ihr Bett und Sie ruhen sich selbst auch ein wenig aus (kurz nach der Geburt sollte auch die Mutter kleine Tagesschläfchen machen, um sich zu erholen). Es sind nur wenige Monate, in denen dieses Bedürfnis nach Körperkontakt dermaßen vorherrschend ist. Es wird so schnell gehen, dass der Sprössling beginnt, fortzukrabbeln, zu laufen und die Welt zu entdecken.
Hautkontakt Noch viel mehr, als beim "normalen" Herumtragen, kann das Baby auf der bloßen Haut fühlen, wie gut Berührung tut. Gönnen Sie sich und Ihrem Kind diesen Genuss. Legen Sie sich zum Beispiel zum Stillen zusammen nackt ins Bett und streicheln Sie es im Anschluss ausgiebig. Am schönsten ist diese Vergnügen für das Baby natürlich "windellos", dabei sollten Hand- oder Moltontücher als Unterlage genutzt werden. Wen es zu sehr stört, der lässt die Windel um. Den intensiven Hautkontakt kann das baby auch sehr gut beim gemeinsamen Baden (in den ersten Wochen mit dem Papa!) oder einfach beim ausgedehnten Spielen und Schmusen genießen.
Wickeln Während des Wickelns sollte das Nacktsein für das Baby zum Vergnügen werden. Streicheleinheiten am ganzen Körper wird es genießen und sich schon bald in freudiger Erregung Ihnen entgegenstrecken. Auch der Po, der die längste Zeit im Dunkeln der Windel verborgen bleiben, sollten liebkost und gestreichelt werden. Die Wickelkommode ist ein idealer Platz, dass Baby zu verwöhnen, mit ihm zu spielen und zu lachen. Nicht selten lächelt ein Baby das erste Mal auf der Wickelkommode. Mit einer Wärmelampe können sie dafür sorgen, dass es nicht friert.
Babymassage Auch die Babymassage sorgt dafür, dass das Baby sich selber spürt, ein Gefühl für seinen Körper erhält. Sie ist ein wichtiger Bestandteil im Verwöhnprogramm für das Neugeborene und wird ausführlich im Kapitel "Babymassage" beschrieben. (-> Babymassage)
Pucken In früheren Zeiten und auch in anderen Kulturen wurden Neugeborene oftmals in lange Bandagen gesteckt bzw. wie kleine Pakete geschnürt. Das kommt und grässlich und barbarisch vor, sind wir doch stolz auf unsere "frei strampelnden" Babys. Die Kleinen fühlen sich gar nicht so unwohl dabei, ihr Bedürfnis nach Berührung und Umarmung wurde, selbstverständlich nicht auf gleichwertige Art, ersetzt. Natürlich sollte es in dieser Weise nicht nachgeahmt werden, aber auch unsere Babys fühlen sich in eine Decke gewickelt wohler, als "frei" zu liegen. Gerade bei Unruhe durch Bauchweh oder Einschlafstörung kann die feste Wickelweise des Puckens zur Beruhigung führen. Sie benötigen eine fein gestrickte Wolldecke (ca. 80 x 80 cm), in die der Säugling auf folgende Weise gewickelt wird:
Wichtig beim Pucken ist das feste Wickeln, denn wenn die Decke locker sitzt, wird das Baby schnell seine Ärmchen befreien und das Paket lösen. Das Pucken soll schließlich dazu führen, dass das Baby nicht durch seine eigenen Bewegungen aufwacht. Das eingepuckte Baby kann nun in seine Wiege oder auf auf ein Stillkissen gelegt werden. Zum Beruhigen kann dann noch ein Schnuller gegeben werden. |
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