Schlafverhalten allgemein

Die ersten sechs Monate

Ab dem sechsten Monat

 

Schlafverhalten allgemein

In den ersten Wochen ist es selbstverständlich, dass der Säugling noch nicht durchschläft und oftmals nachts auch wach ist. Doch schon im ersten halben Jahr können Weichen für eine "guten Schläfer" gestellt werden. Die meisten Babys trinken dann zwar nachts noch, können danach aber wieder einschlafen. Ab dem Alter von 6 Monaten können Babys lernen, durchzuschlafen. In dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" (s. Buchtipps) sind ausführliche Erläuterungen, Beispiele und Ratschläge zu finden. Hier nun einige Informationen, die uns wichtig erschienen.

Durchschnittliche Schlafzeiten von Kindern in den verschiedenen Alterstufen:

Beim Neugeborenen sind 16,5 Stunden Schlaf gleichmäßig auf Tag und Nacht verteilt. Den Unterschied zwischen Tag und Nacht lernen sie erst allmählich. Der Nachtschlaf wird immer länger, die Tagesschläfchen nehmen ab. Mit spätestens 6 Monaten kann sich das Baby an eine 11-stündige Nachtruhe gewöhnen und tagsüber ein Vormittags- und ein Nachmittagsschläfchen machen. Mit einem Jahr reicht am Tage ein Mittagsschlaf.

Aufwachen und Schreien

Kein Kind schläft wirklich durch. Alle Kinder - auch Erwachsene - wachen nachts mehrmals auf. Der Unterschied ist nur, einige schlafen alleine wieder ein, andere werden wach und fangen an zu weinen. 
Beim nächtlichen Aufwachen überprüft das Baby, ob alles in Ordnung ist, das bedeutet in seinem Fall, ob alles so ist, wie beim Einschlafen. Ist dem nicht so, fängt es meist an zu weinen. Aus diesem Grund bewirken so genannten "Einschlafhilfen", also Rituale, die beim Zubettgehen helfen, einzuschlafen, häufig das Gegenteil. Zumindest, wenn die Eltern involviert sind. Wenn z.B. das Baby abends an Mamas Brust, mit einer Milchflasche in der Hand, im Arm der Mutter, beim Schaukeln in einer Hängematte, im Kinderwagen oder mit ähnlichen Hilfsmitteln einschläft, ist es wahrscheinlich, dass es nachts weint, weil ihm genau das dann fehlt. Zu diesen Ritualen gehört zunächst auch der Schnuller, denn das Baby findet ihn in den ersten Lebensmonaten nicht selber. Ohne Schnuller entdeckt das Baby vielleicht seinen Daumen, was nachts eine Erleichterung bedeutet. Mit einigen Monaten kann das Baby auch seinen Schnuller finden, vielleicht wird ein zweiter ins Bettchen gelegt. Die besten Einschlafhilfen sind ein Schmusetuch oder Stofftier, denn das Baby kann es nachts ertasten. 

Das Wichtigste ist also, dass das Kind alleine einschlafen kann, denn dann wird es wahrscheinlich nachts auch nicht weinen, wenn es aufwacht ("Lernprogramm zum Einschlafen" s. unten).

Die ersten sechs Monate


Das Neugeborene kann Tag und Nacht noch nicht unterscheiden. Es dauert 4-6 Monate, bis sich eine innere Uhr entwickelt hat. Dazu brauchen schon Säuglinge gewisse Regelmäßigkeiten, damit sich ihre innere Uhr auf den Tagesablauf einstellen kann. Schon ab den ersten Lebenswochen, sollte das Baby den Unterschied zwischen Tag und Nacht langsam erlernen:

1. Nachts sollte nur gewickelt werden, wenn es unbedingt notwendig erscheint. In diesem Fall sollte nur wenig Licht gemacht und das Baby anschließend wieder hingelegt werden. Sonst direkt nach dem Trinken wieder hinlegen.

2. Gespielt, geschmust, umher getragen, spazieren gegangen etc. werden sollte immer nur tagsüber, bestenfalls nach dem Trinken, wenn das Baby wach bleibt. 

3. Wenn das Baby nach dem nächtlichen Trinken nicht gleich schlafen will, kann es ein bisschen vor sich hinquengeln. Wenn es weint, sollte es mit Streicheln, Schaukeln, Singen oder Tragen beruhigt werden. Es ist nicht sinnvoll, die Brust oder Flasche erneut anzubieten, denn wenn sich das Baby daran gewöhnt, wird es dies dann nach jedem Aufwachen fordern.

4. Auch wenn tagsüber nach Bedarf gestillt wird, kann eine feste Abendmahlzeit zwischen 22 und 24 Uhr eingeführt werden, zu der das Baby geweckt wird. Es sollte möglichst viel trinken (evtl. zwischendurch wickeln). Diese feste Zeit hilft dem Baby, sich auf den Tag-Nacht-Rhythmus einzustellen. Viele Babys schlafen nach der Abendmahlzeit nach und nach länger und schaffen es, schon 5-7 Stunden ohne Trinken zu schlafen.

5. Wacht das Baby relativ früh wieder auf, sollte es nicht sofort gestillt, sondern erst einmal mit Reden, Singen, Schnuller, Umhertragen o.ä. beruhigt werden. Erst ganz zuletzt sollte es trinken. So gewöhnt es sich an, abends mehr zu trinken und länger zu schlafen. 

6. Man kann schon ab dem Alter von 2 Monaten versuchen, das Baby alleine einschlafen zu lassen, wichtiger ist dies aber nach 6 Monaten (s. unten).

7. Ab dem 3./4. Monat sollte das Baby an regelmäßige Mahlzeiten gewöhnt werden und abends immer zur selben Zeit ins Bett gebracht werden. Dies ist auch ein guter Zeitpunkt, das Baby um ca. 20 Uhr ins Bett zu bringen (falls es vorher länger wach war, weil Säuglinge in den ersten Wochen abends besonders unruhig sind). 

8. Die letzte Stunde vor dem Zubettgehen sollte immer gleich und vorhersehbar ablaufen. Singen, Schaukeln, Mobile betrachten, den Stofftieren "Gute Nacht" sagen etc. eignen sich gut. Trinken sollte das Baby ca. eine halbe Stunde vorher.

9. Bei Drei-Monats-Koliken muss das Baby natürlich beruhigt werden (s. Drei-Monats-Koliken unter Unruhe/Schreien)

10. Unsere Erfahrung ist, dass es zum Einschlafen geholfen hat, dem Baby ruhig in das Ohr zu Atmen, ihm sanft über die Stirn und Augen oder über den Rücken zu streicheln.

Ab dem sechsten Monat


Nach sechs Monaten ist es sehr wichtig, das Kind an regelmäßige Zeiten zu gewöhnen, sowohl bzgl. des Schlafens als auch des Essens. So wird es irgendwann von selbst zu den festgelegten Zeiten hungrig und müde. Beim Einführen der festen Zeiten sollte folgendes beachtet werden:

1. Die meisten Kinder schlafen nachts ca. 11 Stunden. Soll das Baby um 19.00 Uhr schlafen, wird es gegen 6.00 Uhr ausgeschlafen sein.

2. Vor jedem Schläfchen sollte das Baby mindestens 3 Stunden wach sein, vor dem Zubettgehen mindestens 4 Stunden.

3. Wecken wirkt Wunder. Mit dem Wecken wird dem Baby am besten geholfen, sich auf den Rhythmus einstellen. Außerdem wird verhindert, dass das Baby sich verpasste Nachtruhe am Tage holt, d.h. es wird dann auch eher nachts länger schlafen.

4. Auch die Mahlzeiten sollten zu festen Zeiten zu sich genommen werden.

5. Solange das Baby zwei Tagesschläfchen macht (bis ca. 12 Monate) empfehlen sich folgende Zeiten:
                        Nachtruhe: 20.00 - 7.00 Uhr
                        Vormittags-Schläfchen: 10.00 bis ca. 11.30 Uhr
                        Nachmittags-Schläfchen: 14.30 bis ca. 15.30 Uhr

6. Wenn sich der Vormittags- und Nachmittagsschlaf immer weiter nach hinten zieht, weil das Baby immer länger wach bleibt, kann auf den Mittagsschlaf umgestellt werden. Teilweise nickt das Baby vormittags dann noch für 15 - 20 Minuten weg (dann wecken!), macht aber dann nach dem Mittagessen einen ca. 2-stündigen Schlaf. Vor dem Zubettgehen sollte es auf jeden Fall 4 - 5 Stunden wach sein. 

7. Es gibt Tage und Umstände, da können die Zeiten nicht eingehalten werden. Das ist nicht so schlimm, denn wenn das Baby den Rhythmus gelernt hat, wird es sich nicht so schnell "entwöhnen" bzw. wird es sich auch nach einem Urlaub schnell wieder umgewöhnen. 

8. Das Abendritual ist nun noch wichtiger. Gemeinsames Abendessen, Ausziehen, Waschen, evtl. Zähneputzen sollten stets in der gleichen Reihenfolge und zur selben Zeit stattfinden. Dann folgt der gemütliche Teil beispielsweise das gemeinsame Schmusen, Kuscheln, Singen oder Geschichten erzählen. Ab 1 Jahr eignen sich auch kleine Bilderbücher oder Fingerspiele. Ab 2 oder 3 Jahren ist oftmals das Vorlesen das beliebteste Abendritual. Der positive Kontakt in den letzten Minuten bestärkt das Kind in dem Gefühl nach Geborgenheit, Sicherheit und Zuwendung.

9. Wird das Baby morgens sehr früh wach und macht dann relativ früh sein Vormittagsschlaf, sollte versucht werden, diesen nach hinten zu dehnen. So wird verhindert, dass das Baby in Erwartung an den nächsten Schlaf so früh wach wird. Auch das Trinken eines Fläschchen um 5.00 Uhr könnte ein ‚gelernter' Hunger sein und kann abgewöhnt werden.

Lernen, alleine einzuschlafen

Wie bereits erörtert, liegt der Schlüssel zum friedlichen Durchschlafen oft in der Fähigkeit des Babys, alleine einschlafen zu können. Wenn es das bisher nicht tut und nachts häufig weint, weil ihm die Einschlafrituale wie Stillen, Schnuller, Anwesenheit der Eltern etc. fehlen, kann dem Baby mit einem Behandlungsplan beigebracht werden, alleine einzuschlafen. Dabei wird das Baby zwar schreien, es wird aber keinesfalls einfach schreien gelassen. Letzteres halten Eltern meist nicht aus und gehen doch zu ihrem Kind, was dazu führt, dass das Baby quasi für sein Schreien belohnt wird. Außerdem kann es zu Trennungs- und Verlustängsten seitens des Babys führen.

Behandlungsplan (aus dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" beruhend auf einer Methode von Prof. Richard Ferber):

1. Es werden sinnvolle Essens- und Schlafzeiten festgelegt. Zum Schlafen wird das Baby in sein Bettchen gelegt. 

2. Alle bisherigen "Einschlafhilfen" wie Tragen, Stillen, Fläschchen etc. werden weggelassen bzw. finden eine halbe Stunde vorher statt. 

3. Vor dem Zubettgehen findet das harmonische Abendritual statt. Anschließend wird das Kind wach in sein Bettchen gelegt.

4. Allein im Bettchen liegend fühlt sich das Baby ungewohnt und fängt wahrscheinlich an zu weinen. Daraufhin gehen die Eltern nach einem vorher festgelegten Zeitplan zu ihrem Kind:

1. Mal

2. Mal

3. Mal

fortan

1. Tag

3 min.

5 min.

7 min.

7 min.

2. Tag

5 min.

7 min.

9 min.

9 min.

3. Tag

7 min.

9 min.

10 min.

10 min.

ab 3. Tag

10 min.

10 min.

10 min.

10 min.


5. Wenn das Kind weint, wird es getröstet, gestreichelt und ruhig mit ihm geredet. Vater oder Mutter bleibt 1 - 2 Minuten bei dem Baby, nimmt es aber nicht auf den Arm, gibt keine zusätzlichen Hilfsmittel und bleibt auch nicht, bis das Baby eingeschlafen ist. Dem Kind soll gezeigt werden "Es ist alles in Ordnung. Ich bin da, aber Du musst jetzt lernen, alleine einzuschlafen".

6. Auch wenn sich das Kind noch nicht beruhigt hat, nach 2 Minuten wird das Zimmer wieder verlassen. Wenn das Kind weiterhin weint, geht Mutter oder Vater nach 5 Minuten wieder ins Zimmer und beruhigt wie oben das Baby. Anschließend wird die Wartezeit auf 7 Minuten ausgedehnt. 

7. Wenn das Baby immer noch weint, geht man jeweils nach 7 Minuten zu ihm, bis es allein eingeschlafen ist.

8. An den folgenden Tagen wird nach den oben angegebenen Minuten vorgegangen. Meistens tritt bei einer konsequenten Umsetzung schon nach 3 Tagen eine deutliche Besserung ein.

Bei einer konsequenten Vorgehensweise verlernt das Baby sozusagen das Schreien. Das Schlafbedürfnis ist auf Dauer stärker als die Gewohnheit, um die das Kind zunächst kämpft. Dabei gewöhnt es sich an den Zustand, alleine einzuschlafen. Nach und nach ersetzt dieses Gefühl die bisherigen Einschlafgewohnheiten. Das Kind wird nach wie vor nachts wach, aber es kann ohne fremde Hilfe wieder einschlafen.

In der Regel wird empfohlen, die Methode von Anfang an tagsüber, abends und auch nachts nach jedem Erwachen anzuwenden. Der Lerneffekt ist dabei besonders stark. Manche Eltern können und wollen sich und ihrem Kind nicht auf Anhieb das Umgewöhnungsprogramm mehrmals am Tag und auch in der Nacht zumuten. Dann kann in zwei Schritten vorgegangen werden:

1. Im ersten Schritt lernt das Baby, tagsüber und abends alleine einzuschlafen. Nachts bekommt es ohne Verzögerung seine gewohnte Einschlaf-Hilfe. Meist verbessern sich die Nächte von selbst.

2. Wenn das Baby weiterhin nachts wach wird, wird der Behandlungsplan im zweiten Schritt auch nachts angewandt. 


Durchschlafen ohne Trinken

Mit einem halben Jahr braucht das Baby nachts nicht mehr zu trinken weder Milch noch Wasser oder Tee. Wacht es nachts auf und möchte trinken ist es zunächst wichtig, dass es abends nicht beim Trinken einschläft, denn dann fehlt ihm nachts einfach das Saugen.
Möchte man das nächtliche Trinken abgewöhnen sind folgende Tipps zu beachten:

1. Trinkt das Baby nachts nur wenig (ein kleines Fläschchen oder es nuckelt an der Brust, ohne richtig zu trinken), kann diese Mahlzeit sofort weggelassen werden und nach dem obigen Behandlungsplan vorgegangen werden. Das Baby wird seine Ernährungsgewohnheiten umstellen und abends mehr trinken.

2. Trinkt das Baby noch sehr viel, ist ein allmähliches Abgewöhnen sinnvoller (innerhalb einer Woche). Beim Stillen schaut man dabei auf die Uhr und legt jede Nacht eine Minute kürzer an. Gleichzeitig wird der Abstand der nächtlichen Mahlzeiten vergrößert. Meldet sich das Baby vorher wird nach dem obigen Behandlungsplan vorgegangen. Bekommt das Baby ein Fläschchen wird jede Nacht 10 - 20 ml weniger hineingefüllt.

Das Abgewöhnen der nächtlichen Mahlzeit(en) mit Eintritt des siebten Lebensmonates ist natürlich eine Gefühlsentscheidung. Unsere Erfahrung mit unseren eigenen und auch durch Gespräche mit anderen Müttern hat gezeigt, dass viele Babys noch eine Mahlzeit zwischen 4.00 und 6.00 Uhr zu sich nehmen. Meist trinken sie mit der Zeit von selbst weniger und das Weglassen dieser Mahlzeit erfolgt dann automatisch. Problematischer ist es in den Fällen, wenn das Baby mehrmals aufwacht oder auch, wenn es als älteres Baby immer noch in den sehr frühen Morgenstunden trinken möchte. Dann handelt es sich sicher um den "gelernten Hunger", der abgewöhnt werden kann.

 


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