Über die seelisch - geistige Entwicklung von Kindern gibt es in er Literatur zum Teil sich widersprechende Ansätze. Die anschließend aufgeführte Kurzübersicht ist zum größten Teil dem Buch "Aus der Praxis einer Kinderärztin" von Dr. med. Gisela Brehmer (s. Buchtipps) entnommen, die sich im wesentlichen auf Schriften von Piaget, Erikson, Bettelheim, Remplein, Schenk-Danziger und Kagan bezieht. Sie ist geprägt von eigenen Erfahrungen die aus einer Zeit des Umbruches und des Zweifels an den überlieferten Werten stammen. 

Entsprechend dem Stammbaum der Evolution der Menschheit durchläuft jedes Kind gleiche Stufen seelisch - geistiger Entwicklung in immer derselben Reihenfolge. Diese Abfolge ist in den Erbanlagen festgelegt, die das Gehirn zunehmend ausreifen lassen und überall auf der Welt etwa den gleichen Zeitplan einhalten. Dabei gibt es große individuelle Unterschiede zwischen den Kindern, die bedingt sind durch das angeborene, individuelle Temperament, die unterschiedlichen Begabungen und die Erfahrungen im Verlauf des Lebens.

Obwohl die Entwicklungsschritte, potentielle Begabungen und gewisse Temperamentseigenschaften vorgegeben sind, bedarf es der Umwelterfahrungen diese zu wecken. Die Entwicklung wird durch vielfältige Anregungen gefördert und beschleunigt. Zwar können körperliche und kognitive Fähigkeiten auch später relativ gut aufgeholt werden, doch gibt es, zumindest für die Sprache und die emotionale Entwicklung, ‘sensible Perioden’.

Schwerwiegend sind gefühlsmäßige Vernachlässigungen, weil ein Geborgenheitsgefühl und eine tiefe Bindung zu einer oder mehreren Personen nach dem 1. Jahr kaum mehr zu erwerben sind. Im Bereich der Temperamentseigenschaften sind Veränderungen in positiver und negativer Richtung möglich. Eine günstige oder ungünstige Umgebung bringt diese Eigenschaften zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt ans Licht. Zu den wesentlichen Umweltbedingungen gehört neben dem Verhalten der Eltern die Stellung in der Geschwisterreihe. Aber in allen Fällen kann nur das nachhaltig im Kind geweckt werden, wozu es eine gewisse Veranlagung und Bereitschaft besitzt.

Erziehung bedeutet angesichts der Selbstgestaltung und Selbstorganisation allen Lebens vor allem Respekt, Behutsamkeit und Wissen um das Kind. Es braucht verlässliche, liebevolle und verständnisvolle Zuwendung ebenso wie eine Vielfalt von Anregungen. Es wäre jedoch vermessen und gefahrvoll zugleich anzunehmen, dass durch eine frühe gezielte, meist intellektuelle Förderung, jedem Kind das Leben zu erleichtern und aus ihm einen glücklichen, erfolgreichen Erwachsenen zu machen. Dazu ist jede Persönlichkeit viel zu Vielschichtig und undurchschaubar.  

Die seelische Entwicklung lässt sich in die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten, des Antriebs und der Gefühle gliedern. 

Unter kognitiven Fähigkeiten versteht man diejenigen, die mit der Wahrnehmung einschließlich der Sinnesempfindungen, Erkennen, wieder erkennen, Gedächtnis, Vorstellung, Phantasie und Denken sowie der Sprache als Medium des Denkens verbunden sind. Es sind also Fähigkeiten, die es ermöglichen, sich in der Außenwelt zurechtzufinden.

Als Antriebe werden Triebregungen, Strebungen , Motivation, Bedürfnisse und Willenskräfte bezeichnet.

Gefühle benennen einen inneren Zustand des Menschen, der durch äußere und innere Erlebnisse oder Gedanken hervorgerufen wird.

Die Altersangaben dienen nur als Anhaltspunkte, damit Sie sich zeitlich zurecht finden, denn jedes Kind macht entsprechend seiner Anlagen die verschiedenen Phasen mehr oder minder ausgiebig durch.

Der Einfachheit halber wird von der Hauptbezugsperson im folgenden von der Mutter gesprochen, wobei diese Stellung auch der Vater oder andere Personen einnehmen können.

Lesen Sie die Entwicklungsstufen unter den jeweiligen Altersangaben nach!

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