Diese Zeit ist geprägt von Kontaktfreudigkeit, Wachheit und Interesse an der Umwelt, weswegen es auch Zuwendungsalter genannt wird. Seelisch-geistige Wachstumsschübe machen sich durch Phasen der Unausgeglichenheit bemerkbar.

 
Das Schau- und Lauschalter beginnt bei den meisten Säuglingen mit drei Monaten, mit vier Monaten greift er, je nach Temperament, nach vorgehaltenen Gegenständen. Das Mobile welches er zunächst nur freudig beschaut wird nun zum idealen Spiel mit dem er greifen üben und verschiedene Formen und Farben oder Klänge erkunden kann. Bald fängt er an sich zu drehen, zu robben und zu krabbeln und mit 8 bis 10 Monaten können sich die meisten Säuglinge schon alleine hinsetzen. Mit elf Monaten kann eine Phase der Unzufriedenheit einsetzen. Der Säugling möchte in die Senkrechte und ist erst wieder ausgeglichener wenn er sich an Gegenständen hochziehen und entlanggehen kann. 

Das vegetative Nervensystem, welches die Hautfunktionen und die Funktion der inneren Organe regelt, reift immer weiter aus. Durch das Nervenwachstum werden die Gefäße enger, so dass Muttermale zunehmend verschwinden. Nach etwa drei Monaten schwitzt der Säugling weniger und erhält eine gleichmäßige Körpertemperatur. Schluckauf und Marmorierung der Haut lassen nach. Auf den anfangs dünn, spritzenden Muttermilchstuhl erfolgt nun die Umstellung zu einem grünen, festeren Stuhl, mit dem die Säuglinge oft Schwierigkeiten haben. Teilweise bringen sie ihm nur mit großer Anstrengung mit Schreien und nach längerem Pressen heraus. Scheint es besonders schwierig zu sein, können Sie ihrem Säugling helfen, in dem sie mit des Spitze des Fieberthermometers oder eines Q-Tips den Darmausgang vorsichtig reizen. 
Von anfangs mehrmals täglich reduziert sich die Stuhlentleerung auf ein- bis zweimal pro Tag. Da die Muttermilch fast vollständig aufgenommen werden kann haben manche Brustkinder teilweise bis zu 8 Tagen keinen Stuhlgang. Flaschenkinder führen alle ein bis zwei Tage ab.

Kognitive Fähigkeiten


Wahrnehmung 


Da Wahrnehmung und Gefühl noch nicht voneinander getrennt sind, entsteht in den Säuglingen ein gefühlsmäßiges Wissen. Lebendiges und lebloses haben für ihn gleichermaßen ein Gesicht. So wird nur der Ausdruck freundlich oder unfreundlich wahrgenommen. In dem Prozess der Wahrnehmung spielen angeborene Muster eine große Rolle. So lösen dunkle Farben und laute tiefe Stimmen leicht Angst aus, Gesichter und Masken werden mit großem Interesse wahrgenommen. Die Fähigkeit der aktiven Wahrnehmung mit den Sinnesorganen wird besonders durch das Abtasten mit dem Mund deutlich. Die Augen werden schärfer und könne bald räumlich sehen. Ab dem 4. Monat fängt er an zu greifen. Nach und nach erkundet der Säugling seine eigene Gliedmaße, von denen er anfangs noch nicht weiß, dass sie zu ihm gehören. Auch das Gehör entwickelt sich in dieser Zeit. Mit ca. 5 Monaten erkennt er aus welcher Richtung Stimmen oder ein Geräusch kommt

 
Gedächtnis 


Die erste Gedächtnisleistung ist das wieder erkennen, welches noch an die äußere Wahrnehmung gebunden ist. Die im Gedächtnis aufbewahrten Eindrücke werden erst bei erneutem Auftauchen wieder erkannt. Zunächst ist das wieder erkennen sehr schemenhaft. Im Alter von 4 bis 5 Monaten erkennt er langsam Unterschiede. So lacht er ein fremdes Gesicht zunächst freundlich an, kommt die Mutter dazu erkennt er jedoch die Unterschiede und studiert das fremde Gesicht interessiert. Im 7 oder 8 Monat beginnt er dann zu vergleichen. Er schaut zwischen der bekannten und der fremden Person hin und her. Von der Fülle der Unterschiede ist er oft verunsichert und fängt an zu weinen (Fremdelalter). Nun hat der Säugling zumindest für einen kurzen Augenblick die rein gedankliche Vorstellung von dem Bild der Mutter. Dieses Erinnern ist im Gegensatz zum wieder erkennen nicht an die äußere Wahrnehmung gebunden. An Gegenstände erinnert er sich erst im Alter von etwa neun Monaten. Mit 10 Monaten lässt sich eine praktische Intelligenz, auch Werkzeugdenken genannt, feststellen. Unter Zuhilfenahme von Gegenständen kann er an einen Gegenstand herankommen, der außerhalb seiner Reichweite liegt. 


Sprache  


Das Geplauder der Säuglinge in den ersten 5 Monaten dient als Vorübung der Laut- und Silbenbildung. Eigentlich bedarf es keines äußeren Anstoßes, er plaudert einfach vor sich hin. Eine freundliche Ansprache wird allerdings meist mit noch lebhafterem Geplauder geantwortet. Ab dem 5. Monat beginnt das Lallen, ab dem 7. Monat werden unterschiedliche Silben aneinandergereiht: „da-da-da; ma-ma-ma“. Das Kind sollte ab dem 7. Monat besonders oft angesprochen werden, denn nun findet die für die Sprachbildung entscheidende Lautbildung statt


Erweiterung der Kenntnisse  


Wie geschildert beruhen die ersten Kenntnisse des Säuglings auf sinnlichen Erfahrungen und Handlungen. Mit dem räumlichen Wahrnehmungsvermögen fängt er an nach Gegenständen zu greifen und in den Mund zu stecken. So erweitert er seine Erfahrung in Bezug auf Abstand, Form, Beschaffenheit und Geschmack des Gegenstandes. Er vermag mit der Zeit seine Umwelt im groben Mustern im Gedächtnis zu speichern und bald auch wieder zu erkennen. Er beginnt zu vergleichen und erlernt es, sich für kurze Zeit, auch ohne äußere Wahrnehmung, an eine Person und Gegenstände zu erinnern. 

Antriebe


Das erste Lebensjahr ist geprägt von Interesse an Personen und später für Gegenstände in seiner Umgebung. Kontakt zu Menschen schließt er über die Augen, liebt es Gesichter zu betasten und mit ihnen zu spielen. Wiederholungsspiele werden mit zunehmender Leistung des Gedächtnisses zum großen Vergnügen. Der Nachahmungsdrang beginnt, sobald er deutlich sehen und hören kann. Ab dem 5. oder 6. Monat werden Bewegungen reflexhaft nachgeahmt, ab dem 9. Monat geschieht dies bewusster. Der Säugling übt das Winke-Winke, Lachen und Husten. Durch dieses Nachahmen werden viele angeborene Fähigkeiten geweckt, die andernfalls noch verborgen blieben. Die zunehmende Zielstrebigkeit (Intentionalität) wird zu Ende des ersten Lebensjahres deutlich. Mit einer ungeheuren Energie bemüht sich das Kind Gegenstände zu erreichen und lässt sich davon so schnell nicht abbringen.

 

Gefühle

Von echten Gefühlen kann man eigentlich erst ab dem 4. Lebensmonat sprechen, wenn körperliche Empfindungen wahrgenommen als auch kognitiv verarbeitet werden können. Zuvor spricht man eher von emotionalen Zuständen, die durch Veränderung des leiblichen und sinnlichen Befindens zustande kommen. So zeigt der Säugling Interesse am Auffälligen, Überraschung durch Neues, Leiden durch Entbehrung, Erschrecken durch Unerwartetes, Entspannung nach Befriedigung und Erregung durch das Begreifen des Unerwarteten. Gefühle sind im 1. Lebensjahr noch recht kurzzeitig, werden nach Veränderung der Situation sofort vergessen. Durch die weiterentwickelten kognitiven Fähigkeiten werden Gefühle der Furcht vor dem Unbekannten, Freude am Bekannten, Erwartung beim Versteckspiel und Ärger nach Frustration und Schmerz ausgelöst. Konstante Gefühlsbindungen werden zwischen dem 7. und 11. Lebensmonat eingegangen, dass heißt der Säugling bindet an seine Betreuungspersonen. Ist ihr Säugling gewöhnt auch vom Vater, der Oma, der Tagesmutter betreut zu werden, wird er weniger ängstlich reagieren, wenn er von der Hauptbezugsperson für ein paar Stunden getrennt ist. Er kann dann leichter auch mit anderen Personen Bindungen eingehen, die weniger ausschließlich und eng sind, was auch den Vorteil hat, dass sie früher selbständig werden. Wird ein Kind z.B. für 4 Stunden täglich von der Oma oder Tagesmutter liebevoll betreut, heißt dies nicht, dass sich ihr Kind weniger geborgen oder weniger tief und innig verbunden fühlt. Der Beziehung von Mutter und Kind fehlt lediglich die Ausschließlichkeit.

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