Da die meisten Kinder mit gut einem Jahr alleine laufen können, sind sie in vertrauter Umgebung meist ausgesprochen ausgeglichen und fröhlich. Endlich sind sie in der Lage ihren Lebensraum allein zu erkunden und damit ihr Weltbild und die kognitiven Fähigkeiten zu erweitern. Das zunehmend besser werdende Gedächtnis und die Sprache helfen ihm die neuen Erfahrungen zu ordnen und zu verstehen.

Kognitive Fähigkeiten

Wahrnehmung

Es ist die Zeit des Erfassen von Größe, Entfernung und Gestalt der Dinge. Unaufhörlich ist der Säugling damit beschäftigt alles zu entdecken. So krabbelt er in Hohlräume, die viel zu groß oder zu klein sind, liebt es Dinge hinunterzuwerfen und umher zu tragen, betastet alles ausführlich und entdeckt Kälte und Wärme, Laut und Leise. Er lernt es die Größe von Personen und Gegenständen trotz unterschiedlicher Entfernung richtig einzuschätzen, Gestalten in unterschiedlichen Lagen oder Blickwinkeln zu begreifen. Er erkennt auch die Abbildungen in Bilderbüchern, nur nicht deren räumliche Lage. Farben spielen bei den Kindern eine besonders große Rolle. Sie bevorzugen eine bestimmte Speise oder bestimmte Kleidungsstücke.

Gedächtnis

Die Leistung des Gedächtnisse steigert sich sehr schnell, so erinnern sich manche Kinder an Erlebnisse die bis zu einem halben Jahr zurückliegen. Noch leichter fällt das wieder erkennen. So ist es möglich, das zweijährige Kinder einen Ort, Spielsachen oder Tiere und Menschen sofort wieder erkennen, den sie ein halbes Jahr zuvor gesehen haben.

Sprache

Die Sprache beginnt etwa im Alter von einem Jahr, wobei Mädchen ab zwei Jahren den Jungen um ein halbes Jahr in der Sprachentwicklung voraus sind. 
Zunächst eignet sich das Kind durch Nachahmung die Wörter an, die es hört. Mit etwa 1 ½ Jahren entdecken sie den Namen eines Gegenstandes, eine Zeit in der die „Was ist das?“ Fragen kein Ende nehmen. 
Ab etwa 1 ½ Jahren formuliert es Zweiwortsätze, wie“ Mama Ball“, sowie endlose unverständliche Selbstgespräche. Kurz darauf folgen Mehrwortsätze, in denen Aussagen und Urteile ausgedrückt werden. 
Mit 2 Jahren versteht das Kind schon recht viel, begreift jedoch keine Wenn-dann-Verbindungen und schon gar keine Kausal-Verbindungen. Es ist also angebracht Erklärungen in positiven, kurzen Sätzen auszudrücken, zum Trösten eine ruhige, sanfte Tonlage zu wählen und die Gebärde zu benutzen.

Erweiterung der Kenntnisse

Nach Piaget ist das Denken an Darstellungs- und Symbolfunktionen gebunden, d.h. an das Vermögen, eine Handlung oder einen Gegenstand durch ein Zeichen (ein Wort, ein Bild, ein Symbol) zu ersetzen. Als Folge davon entwickeln sich die Sprache, das Bilder-Erkennen und das Rollenspiel. Das einjährige Kind versteht zunächst das Klangmuster eines Wortes, welches es mit der momentanen Beschäftigung in Verbindung bringt. Zukünftig wird es dieses Wort in diesem Zusammenhang gebrauchen. So wird das Wort zum Symbol einer Handlung. Ebenso verhält es sich mit Bildern eines Gegenstandes. 

Die Sprache würde sich nicht entwickeln, wenn die Beziehung zwischen Wort und Gegenstand oder Person, für die es steht, nicht erkannt werden würde. Dieser Zusammenhang wird dem Kind immer deutlicher und erweitert sich nach einigen Jahren auf abstrakte Begriffe.

Antrieb und Wille

Im Alter zwischen 1 und 2 Jahren ist ein gesteigerter Tätigkeitsdrang, ein starkes praktisches und nachahmendes Interesse an der Umwelt, sowie ein enormer Rede- und Mitteilungsdrang erkennbar. 

Die Antriebe werden besonders in den Symbol- und Rollenspielen deutlich, in dem die subjektiven Erlebnisse, Wünsche und Ängste ausgelebt werden.
 

Gefühle


Gefühle werden in diesem Alter überwiegend durch Erlebnisse und Einsichten in die Außenwelt, sowie durch eigene Phantasien hervorgerufen, sind also nicht, wie im Säuglingsalter, fast ausschließlich an Begierden der Nahrung, Schlaf und Zuwendung gebunden. Die Gefühlsregungen sind zwar intensiv, aber noch wenig nachhaltig, so dass sie sich von einem zum anderen Moment in das Gegenteil ändern können. Besonders hervortretend sind Angstgefühle, die durch Unkenntnis zu erklären sind. Kinder die schon frühzeitig an verschiedenen Betreuungspersonen und Umgebungen gewöhnt wurden, haben weniger Trennungsangst beim Abschied von der Mutter und weniger Furcht vor dem Ungewohnten, da sie erfahren haben, dass sie von mehreren Personen „beschützt“ werden können, dass es mehrere „ungefährliche“ Umgebungen gibt. Ebenso verhält es sich mit anderen Ängsten, wenn diese im Beisein der Eltern oder Betreuungsperson durch Erklärung, Berührung o. ä. abgebaut werden. 

Auch das Mitgefühl ist in diesem Ater besonders ausgeprägt, da sich das Kind noch eins mit der Umwelt fühlt und sich deshalb von Trauer und Freude anstecken lässt. Diese Fähigkeit vermindert sich mit dem steigenden kindlichen Selbstgefühl.

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