Säuglinge neigen von Anfang an zu gewissen, ihrem Temperament entsprechenden, anhaltenden Stimmungslagen und reagieren so unterschiedlich auf andere Menschen. Der eine ist wenig ängstlich, lässt sich schnell von der Mutter beruhigen, der andere ist furchtsam und weint häufig, selbst noch auf dem Arm der Mutter.

In den ersten 6 Wochen schlafen die Kinder meist, es sei denn sie haben Hunger, sind nass oder haben das Bedürfnis nach menschlicher Nähe. Anfangs verhält sich der Schlaf - Wach - Rhythmus noch umgekehrt zu dem der Eltern, da der Säugling tagsüber mehr schläft als nachts. Mit ca. 6 Wochen stellt sich der Säugling aber meist um, so dass er dann schon etwa 3 bis 4 Stunden nachts hintereinander schläft.

Bewegungen sind in diesem Alter ganz ungewollt und ziellos, manche sind durch Reflexe hervorgerufen: Streicht man über den Handrücken, wird die Hand geöffnet, berührt man die Handfläche, schließt sich die Hand sofort und klammert sich fest. Liegt der Kopf auf der Seite ist der Arm derselben gestreckt. Viele Säuglinge können zu Beginn den Schnuller noch nicht selbst im Mund behalten, weil durch den Saugreflex die Zunge nach vorne gestoßen wird, was so aussieht, als ob er ihn ausspucke.

 

Kognitive Fähigkeiten

Wahrnehmung

In den ersten Wochen handelt es sich um reine Sinnesempfindungen. Haut-, Gleichgewichts-, Muskel-, Geruchs und Geschmackssinn sind besonders ausgeprägt, weshalb er Körperkontakt und süße Flüssigkeiten besonders genießen kann. Auf wiegende Bewegung reagiert er mit Beruhigung und Erschlaffung, auf plötzliche Fallbewegung mit Schreck und Anspannung. Schon vom 6. Tag an wird der Geruch der Bezugsperson von anderen unterschieden.

In die Ferne gerichtete Sinne sind noch schwach ausgeprägt. Die Augen sehen in den ersten Wochen nah als auch fern unscharf. Säuglinge sind jedoch schon nach 2 Wochen fähig, das Gesicht der Mutter von anderen zu unterscheiden. Entsprechend entwickelt ist auch das Hörvermögen. In der 1. Woche kann er Melodien von einfachen Geräuschen unterscheiden, in der 2. Woche erkennt er die Stimme der Mutter und macht Suchbewegungen.

Gedächtnis

Die Eindrücke des Kindes sind während der ersten Wochen noch sehr unscharf und dumpf, die Reaktionen reflexhaft. Das wieder erkennen von Gerüchen, Gesehenem und Gehörtem geschieht zunächst noch auf unbewusster Ebene, ins Bewusstsein treten sie erst im Alter von ca. 8 Monaten (Fremdelalter).

Gewohnheit ist für Kinder die Grundlage der Geborgenheit und damit des Urvertrauens in die Welt. Um eine Bindung aufbauen zu können sollten sie eine Bezugsperson haben, der Tagesablauf möglichst ruhig und regelmäßig. Man sollte sich auch in den ersten Wochen nicht anders Verhalten als es einem später möglich ist. Natürlich sollte man sich Bemühen den Bedürfnisse des Säuglings nachzukommen, was aber nicht heißt in bei jeder Unlustäußerung mit Brust oder Flasche zu trösten. 

Sprache

In der Säuglingszeit werden als Grundlage für die Sprache erst einfache Laute gebildet. Aus A -Lauten werden mit einem H AHA - Laute.

Erweiterung der Kenntnisse

Jede Veränderung weckt das kindliche Interesse. Leichte Veränderung der gewohnten Wahrnehmung erweitern das Wissen, indem sie ein stärkeres Interesse, Erregung und Aktivität hervorrufen. Lustbringende, interessante Erfahrungen werden wiederholt, unangenehme Erfahrungen gemieden. Auch dies geschieht reflexhaft und ohne bewussten Willen.

So schreit das Baby zum Beispiel wenn es Hunger hat. Führt das Schreien zur Befriedigung, wird es auch zukünftig schreien um seinen Hunger zu äußern. Ähnlich verhält es sich mit dem Schaukeln. Wird ein Säugling bei der kleinsten Unlustäußerung geschaukelt, wird es schreien wenn das Schaukeln aufhört. Wird es nicht geschaukelt, wird es nur schreien wenn es hungrig ist.

Auch das Drehen von der Bauch- in die Rückenlage wird durch den Wiederholungszwang, bzw. die angenehme oder unangenehme Erfahrung durch die Bewegung hervorgerufen. 

 

Antriebe

In erster Linie reagieren die Säuglinge triebhaft-instinktiv, sind geleitet von dem angeborenem Bedürfnis nach Nahrung, Sicherheit und Schlaf. Sind diese Grundbedürfnisse befriedigt, verbleibt immer mehr Energie für den Bewegungstrieb und das Verlangen nach Lust zu Saugen, bewegende Dinge zu betrachten oder geschaukelt zu werden.

Gefühle

In dieser Zeit erlebt der Säugling seine Umwelt fast ausschließlich über seine Gefühle. Bewusste Wahrnehmung, Vorstellung, Gedanken und Willensakte sind noch nicht entwickelt. Lust ist Ausdruck dessen, was das Leben fördert, Unlust was es einschränkt. 

Durch das Schreien werden Unlustgefühle wie Hunger und Durst, Kälte und Nässe, Schreck und Schmerz ausgedrückt. Mit Ruhe Wohlbefinden und Sattheit; mit Bewegungslosigkeit Müdigkeit; mit Strampeln und Bewegung Freude und Lebenslust.

Auch unterschiedliche Reizungen der Sinnesorgane lassen das Angenehme oder Unangenehme zum Ausdruck bringen. So reagiert auf Hautreizungen, sowie Lärm und grelles Licht das Baby mit Erschrecken. Bei besonders stark erscheinender Gefahr drückt er Säugling sogar panikartige Angst aus.

Lebt der Säugling zunächst noch in einer Art Symbiose mit der Person, die ihm gutes zuführt, entsteht im Lauf der Zeit eine emotionale Bindung zu dieser Person. Grundlagen des sozialen Verhaltens werden so schon in den ersten Wochen angelegt. Sicher gebundene Kinder sind später eher bereit die Normen der Betreuungsperson zu übernehmen, dass heißt sich erziehen zu lassen. Weitere Bindungen, z.B. zum anderen Elternteil oder einer Tagesmutter sind deswegen aber nicht ausgeschlossen.

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